Entwicklungspolitische Leitlinien von Akifra

 

Cc-by Tobias Geberth

Die entwicklungspolitische Konzeption von Akifra e.V. liegt in der direkten Kooperation und Kommunikation mit lokalen Graswurzelorganisationen. Die langjährigen Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit der Mbuyuni Women Group in Taveta/Kenia, der Community Against Female Genital Mutilation in Mackinnenroad/Kenia oder mit der Mamre Rural Development Organisation in Mityana/Uganda bestätigen, was auch in der entwicklungstheoretischen Debatte mittlerweile anerkannt ist: Lokale Graswurzelgruppen verfügen gegenüber großen internationalen Entwicklungs-organisationen über strukturelle Vorteile bei der nachhaltigen Projektarbeit in ihren lokalen Gemeinschaften. Sie entstehen aufgrund eigener Initiative und selbst gesteckter Ziele. In der Regel sind es informelle Frauengruppen, die sich der Probleme ihrer Gemeinschaften annehmen und häufig keine Fördermöglichkeiten besitzen, weil sie aufgrund ihres geringen Institutionalisierungsgrades im Spektrum der westlichen Entwicklungsarbeit nicht wahrgenommen werden.

Akifra e.V. bietet solchen Partnern finanzielle, organisatorische und idelle Unterstützung bei der Umsetzung dieser Ziele an. Um das kreative, innovative und entwicklungsförderliche Potenzial dieser engagierten Gruppen zu nutzen, bedarf es einer gleichrangigen und kultursensiblen Kommunikation zwischen den unterschiedlichen Partnern und Respekt gegenüber der Entwicklung und Kultur der lokalen Gemeinschaften. Dadurch können die Graswurzelbewegungen ihre Arbeit eigenverantwortlich gestalten und intrinsische Veränderungspotentiale wirksam werden lassen.

Wir gehen davon aus, dass diese alternative Form der Zusammenarbeit ein höchst mögliches Maß an Eigenbestimmtheit, Partizipation und Nachhaltigkeit bei nur geringen Verwaltungs- und Personalkosten auf der Seite der westlichen Partnerorganisationen gewährleistet.

Entwicklungsethnologie

In der Zusammenarbeit mit unseren Projektpartnern in Kenia und Uganda entstehen immer wieder ethische Konflikte, die wir reflektieren und lösen müssen: Wie viel Einfluss auf die Entwicklung der Projekte dürfen wir und wie wenig Einfluss können wir überhaupt nehmen? Wie verhalte ich mich kultursensibel und wie kann ich eine Diskussion über unterschiedliche Kulturen initiieren? Wie zeige ich meinen Respekt der Arbeit unserer Projektpartner gegebüber und wie gehe ich mit Dankbarkeit um? Diese beispielhaften Fragen spiegeln die komplexen Spannungsfelder unterschiedlicher Wertsysteme und ungleicher Machtverhältnisse wieder. So entstehen immer wieder Missverständnisse, Konflikte, Dilemmata und die Notwendigkeit zur Abwägung zwischen sich widersprechenden Werten und Interessen.

Einen Leitfaden für den Umgang mit Konfliktsituationen in der Entwicklungszusammenarbeit bieten die Ethischen Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft Entwicklungsethnologie (AGEE) e.V., denen wir uns verpflichtet fühlen und an denen wir unsere Arbeit ausrichten. Wir forderen und fördern die Entwicklung im Sinne einer Verbesserung der Lebenssituation gemäß den eigenen Interessen Betroffener, den Respekt von fremden Wertesystemen, die Partizipation als Ermächtigung von Benachteiligten, die absolute Transparenz der Zusammenarbeit, die Ganzheitlichkeit der Projektarbeit, die Beachtung von unbeabsichtigten Wirkungen, den Datenschutz aller Beteiligter und die Grenzen der Schweigepflicht im Angesicht von Menschenrechtsverletzungen.